Die Möglichkeiten des Arbeitens als Entwickler

Festangestellt, freiberuflich, oder gar remote

Die Möglichkeiten des Arbeitens als Entwickler

Du möchtest Programmieren lernen? Seien wir ehrlich. Im Erwachsenenalter interessiert man sich nicht mal eben so fürs Programmieren. Dahinter steckt meist ein berufliches Interesse. Entweder für den bereits ausgeübten Job oder für einen Neuen.

Wahrscheinlich hast du bereits eine erste Laufbahn in einem anderen Beruf hinter dir. Sonst würdest du das Programmieren von der Pike auf in einer Ausbildung zum Softwareentwickler oder mehr noch im Rahmen eines Informatikstudiums lernen. Das heißt aber nicht, dass ein Quereinstieg ausgeschlossen ist. Im Gegenteil, verbunden mit deinen bisherigen Erfahrungen kannst du als Entwickler besonders wirkungsvoll sein. Du hast eine Sichtweise, die die Anwendungsfreundlichkeit in den Vordergrund stellt. Eine Sichtweise, die vielen Programmierern sonst ganz oder teilweise fehlt.

Neben einer allgemeiner Wissbegier ist es meist der Wunsch nach einer Veränderung, der uns dazu bewegt, neue Fähigkeiten zu erlernen. Die Veränderung kann sein ein anderer Arbeitgeber, andere Arbeitszeiten, andere Standorte oder sogar die Loslösung vom klassischen Angestelltenverhältnis. Der Berufsstand des Entwicklers bietet hier eine ganze Reihe von möglichen Konstellationen, die viele andere Berufe noch nicht bieten. Welche das sind, zeigen wir dir hier auf.

Entwickler in Festanstellung

Entwickler in Festanstellung

Da wäre zunächst die Festanstellung. Die Schlagworte hört man überall: Digitalisierung, Industrie 4.0. Es herrscht ein regelrechter Hype um zukunftsträchtige Produktion. Das setzt natürlich voraus, dass es genug Fachleute gibt, die diese Digitalisierung umsetzen können. Als Softwareentwickler ist man heute begehrter denn je.

Der Bedarf für Softwareentwickler ist auf dem Markt aktuell riesig und wird vom Personalangebot nicht ansatzweise gedeckt. Entsprechend positiv wirkt sich das neben dem Angebot an attraktiven Arbeitgebern auch auf die Gehälter aus. Dein Einstiegsgehalt kann schnell die 40er Marke überschreiten. Für Senior-Entwickler mit mehreren Jahren Berufserfahrung und Personalverantwortung sind größere Unternehmen ohne Weiteres bereit das Doppelte zu zahlen.

Ein Softwareentwickler in Festanstellung entwickelt gemäß seiner Bezeichnung Software. Meistens ist dies der Fall in spezialisierten Softwareagenturen, die Anwendungen für Kunden entwickeln, oder in Firmen mit eigenem Softwareprodukt, die Googles und Facebooks dieser Welt. Deutsche Vertreter sind unter anderem Xing oder Moovel. Relevante deutsche Softwareagenturen, falls ihr noch nicht von ihnen gehört habt, sind SinnerSchrader, Ubilabs oder Superreal. Heutzutage entwickeln Unternehmen ihre eigene Software nur noch selten betriebsintern.

Egal ob Anwendungen für Kunden oder hauseigene Softwareprodukte entwickelt werden, eine enge Abstimmung mit den Personen, die am Entwicklungsprozess beteiligt sind, ist unabdingbar. Das sind auf der einen Seite natürlich die Teamkollegen, die anderen Entwickler. Meistens gehören zu diesen Personen aber auch Designer, Projektmanager, und meistens auch jemand, der den Endkunden vertritt. Als Softwareentwickler steht man vor der Aufgabe, alle Wünsche der verschiedenen beteiligten Personen zu verstehen. Oft hat der Kunde beispielsweise nur eine Grobe Vorstellung davon, was er möchte. Ein gutes Einfühlungsvermögen und ein Gefühl für Benutzerfreundlichkeit sind dabei von großem Wert. Wer vorherige Berufserfahrung mitbringt, und nicht nur die klassische Denkweise als Softwareentwickler kennt, kann hier einen großen Vorteil haben.

Ist die Software einmal veröffentlicht, muss der Softwareentwickler sicherstellen, dass sie auch künftig reibungslos läuft. Ganz ist die Arbeit also nie getan. Wartungsarbeiten, Updates und neue Features wollen von Zeit zu Zeit umgesetzt werden. Es wird immer etwas zu tun geben.

Der Vorteil einer Festanstellung ist ganz klar die Vorhersehbarkeit und im Rahmen zum Beispiel deutscher Arbeitsverträge die Sicherheit des Arbeitsverhältnisses. Auch das Arbeitsumfeld ist mehr als attraktiv. Die meisten Softwarefirmen wissen, dass Entwickler schwer zu bekommen sind, und versuchen deshalb, die Mitarbeiter mit diversen Annehmlichkeiten zu begeistern, die weit über die Norm anderer Firmen gehen. Mit kostenlosem Filterkaffee ist kein Entwickler hinterm Ofen hervorzuholen.

Kaffee

Google hat hier mit seinen Kantinen und Fitnessangeboten die Messlatte weit nach oben verschoben. Fast alle anderen ziehen im Rahmen ihrer Möglichkeiten nach. Da hätten wir kostenlose Snacks, spannende Teamevents und Aufenthaltsräume, die diesen Namen auch verdient haben mit Kickertischen und anderen Spielen. Als Faustregel kann man sagen: je kleiner und jünger die Firma, desto hipper.

Dafür ist man allerdings auch sehr lange auf ein und demselben Projekt. Besonders abwechslungsreich ist das nicht und als Angestellter ist man vornehmlich fremdbestimmt, insbesondere im Vergleich zur nachfolgend vorgestellten Arbeitsmöglichkeit. Wobei die Arbeitszeitregelungen meistens sehr großzügig und flexibel gestaltet sind. Über alles lässt sich reden, wenn man gefragte Fähigkeiten mitbringt. Ob es große Aufstiegschancen gibt, kommt auf die Größe des Unternehmen an.

Freiberuflicher Entwickler

Etwas anders sieht es da beim freiberuflichen Entwickler aus. Es gibt die echten Einzelkämpfer, die sich über ihr eigenes Netzwerk mit Empfehlungen oder über Projektportale Aufträge angeln. Ohne genug Eigeninitiative kann die Auftragspipeline aber gegebenenfalls auch einmal austrocknen. Abhilfe schaffen Agenturen, die sich um die Aufträge kümmern und ihre Entwickler gegen einen Prozentsatz des Stundensatzes, den der Entwickler eigentlich vom Auftraggeber bekommen würde, entsprechend zuteilen.

Die Engagements sind in beiden Fällen meist zeitgebunden. Ganz anders als bei der Festanstellung. Nach Abschluss eines Projekts kann es zwar sein, dass man irgendwann erneut zu Rate gezogen wird, aber zunächst ist das Projekt beendet. Dann heißt es, etwas Neues suchen. Das kann für den einen befreiend und abwechslungsreich, für den anderen wiederum beängstigend sein. Einige Entwickler wollen das gerade. Wo sonst kann man zwischendurch ein paar Wochen oder Monate Pause vom Schreibtisch machen und sich der Verwirklichung persönlicher Träume zu widmen?

Die Stundensätze liegen bei freien Entwicklern in der Regel deutlich über denen der Festangestellten. 70 - 100€ pro Stunde kann man generell etwa veranschlagen. Dafür muss sich der freie Entwickler allerdings selber für die Zukunft absichern. Wie gesagt kann es auch zu projektlosen Phasen - geplant oder ungeplant - kommen.

Remote gleich ortsunabhängig

Das aus unserer Sicht herausragend Positive am Berufsfeld des Entwicklers ist die Ortsungebundenheit. Sind die Eckdaten eines Projektes abgesteckt, kann ein Großteil der Entwicklung ohne Notwendigkeit des Verweilen am Unternehmensstandort ausgeführt werden. Als Handwerkszeug ist lediglich der Laptop von Nöten. Eine gute Internetverbindung ist heutzutage fast überall erhältlich. Gelegentliche Abstimmungen können per Email oder Video-Chat à la Skype, Facetime, Hangout, Zoom, die Liste ist endlos, erledigt werden.

Bei der Arbeit am Laptop

Diese Flexibilität trifft sowohl auf den Festangestellten als auch auf den Freiberufler zu. Wenn der Auftraggeber keine begründeten Einwände hat, kann der Entwickler problemlos im Homeoffice, im Coworking Space oder im Hostel bzw. Ferienapartment in einem fernen Land arbeiten. Für den Auftraggeber kann sich das gerade deswegen lohnen, weil er die Bereitstellung eines Arbeitsplatzes spart. Es sei allerdings angemerkt, dass bei der Festanstellung großer Wert auf Teamarbeit gelegt wird, so dass hier der Freiberufler klar im Vorteil ist, wenn es dich zum Ortswechsel zieht.

Für den Entwickler eröffnen sich ganz neue Lifestyleoptionen. Immer mehr Entwickler leben den Traum der weiten Welt. Zum Sonne Tanken zwei Monate in Spanien verbringen, danach vielleicht noch ein paar Wochen Thailand. Es gibt so viel zu entdecken und überall finden sich schnell Kameraden.

Wer nicht unbedingt die vertraute Umgebung gegen das dauerhafte Abenteuer eintauschen möchte, hat die Möglichkeit, sich im eigenen Homeoffice einzurichten. Ganz unabhängig ob in der Stadt, wo vielleicht der Auftraggeber sitzt, oder auf dem Land. Softwareentwickler sind noch stärker als andere Fachleute von einem einzigen Arbeitsort, aber auch einer spezifischen Arbeitszeit losgelöst. Es ist leicht vorstellbar, dass berufstätige Eltern dies sehr zu schätzen wissen.

Die freie Ort- und Zeiteinteilung ist für viele das entscheidende Plus an der Berufswahl Softwareentwickler.

National vs. international

Ein Wort sei noch zu fernen Ländern gesagt. Das Tolle am Programmieren ist, dass es so universell ist. Ähnlich wie Naturwissenschaften oder Mathematik sind die Nomenklatur und Methoden flächendeckend gleich. Jeder wird dich verstehen und du bist praktisch überall auf der Welt einsetzbar.

Wenn es dich also für längerfristig in ein anderes Land zieht, egal ob aus eigenem Interesse oder weil Familie oder Partner woanders sind, wirst du gute Aussichten auf eine Erwerbstätigkeit haben.

Innerhalb Europas kannst du frei deinen Ort auswählen. Destinationen über die Grenzen Europas hinweg haben ihre eigenen Bestimmungen über Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen. Denen ist Folge zu leisten. Ob man mit nur wenig Berufserfahrung eine Arbeitsgenehmigung bekommt hängt vom Zielland ab. Gegebenenfalls muss man kurze Zeit in heimischen Gefilden Berufserfahrung aufbauen, aber generell wirst du als Softwareentwickler als gut ausgebildete Fachkraft hoch eingestuft.

Eigene Entwicklung

Zurück zu den Arbeitsmöglichkeiten eines Entwicklers. Zu guter letzt steht es jedem Entwickler natürlich auch offen, sein eigenes Produkt zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Was gibt es Befriedigenderes als sein eigenes Herzensprojekt umzusetzen? Die Vorteile des langfristigen Denkens der Festanstellung verbindet sich mit der Unabhängigkeit des Freischaffenden.

Skizzen für eine App

Im Erfolgsfall hat man alles richtig gemacht und erntet die Früchte seiner Arbeit. Man muss nur auch für den nicht seltenen negativen Fall gewappnet sein. Doch dann kann man immer noch eine neue Tätigkeit suchen.

Der Romantik des Indie-Entwicklers muss jedoch ein gehöriger Dämpfer gesetzt werden. Es ist nicht mehr leicht, aus der Masse an kostenlosen Apps oder Computerspielen hervorzustechen und damit Geld zu verdienen. Eine bisher noch gut funktionierende Nische sind Tools für Softwareentwickler selber, zum Beispiel Skripte zur Automatisierung, Fehlererkennung, oder Plugins für die Entwicklungsumgebung. Doch Geld wird auch hier selten verdient. Die meisten Tools werden kostenlos und open source angeboten, denn es gibt keine bessere Referenz für den nächsten Job als ein bekanntes oder beliebtes Tool für Entwickler entwickelt zu haben.

Der Weg von der ersten Idee zum fertigen und vermarktbaren Produkt kann lang und zäh sein. Hoffentlich hast du genügend Kapital dabei. Ohne die richtigen Mitstreiter wird es selten klappen, denn kaum ein Mensch kann alles auf einmal schaffen. Neben dem fehlerfreien Entwickeln ist gerade das zielführende Verkaufen erfolgsbestimmend. Hier bedarf es unter Umständen ganz anderer Fähigkeiten als die, die du mitbringst. Und zu mehreren ist es doch gleich viel lustiger.

Softwareentwicklung ist sowieso zu einem großen Teil Teamarbeit. Egal ob als Festangestellter, als Freiberufler oder im eigenen Unternehmen. Das ist auch ein Vorteil, den du als Quereinsteiger mitbringst. Du bringst schon viele Softskills wie Teamarbeit mit und hast schon mal über den Tellerrand geblickt. Dein Vorhaben, dich als Softwareentwickler beruflich zu verändern, sind also gar nicht so abwegig. Entscheidend sind, die richtige Mentalität mitzubringen und die handwerklichen Fertigkeiten. Bei denen können wir von der Hamburg Coding School dir gerne helfen.

Bilder von Death to Stock, Pexels und Alex Tan.